Am Puls der Zeit

Die meisten Arbeiten die wir als Imker durchführen, richten sich nach der Jahreszeit und den damit einhergehenden Bedürfnissen unserer Bienen. 

  • Im Frühjahr heißt es den Bienen Raum geben, damit sie ihrem Drang zu wachsen und Honig einzutragen nachgehen können.
  • Im Hochsommer  wird - dem Bedürfnis des Imker folgend - Honig geerntet.
  • Im Spätsommer und Herbst schrumpfen die Völker zusehends und bereiten sich auf den Winter vor. Jetzt liegt es an uns Imkern, ob unsere Bienen den Winter gesund überstehen, oder ob wir im Frühjahr in leere oder mit toten Bienen gefüllte Beuten schauen. Mit der Spätsommerpflege legen wir den Grundstein für vitale Völker im nächsten Frühjahr.
  • Im Winter sitzen die Bienen in der Wintertraube und zehren von den Vorräten. Der Imker tut jetzt gut daran, im Vertrauen auf die üppig gegebenen Futtervorräte, die Bienen nicht zu stören und den neuen Start im zeitigen Frühjahr möglichst passiv zu erleben.

Die Spätsommerpflege

Nachdem die Völker meist Mitte Juli bis Anfang August ihrer Honigvorräte beraubt wurden, steht die Spätsommerpflege an. Im wesentlichen ist das Ziel der Spätsommerpflege dafür Sorge zu tragen, dass ausreichend gesunde Winterbienen heranwachsen können und das Volk dadurch stark und vital ins nächste Frühjahr kommt. Wichtig hierfür sind :

  • Das Volk mit ausreichend Futter für die jetzt folgenden Zeit bis ins Frühjahr zu versorgen
  • Die Varroalast auf ein für die Bienengesundheit akzeptables Maß zu reduzieren
  • Durch mehrfaches bebrüten unbrauchbar gewordenes Wabenmaterial durch neues zu ersetzen
  • "Alte" Königinnen durch vitale neue zu ersetzen
  • Bienen zu ausreichend starken Völkern zu verdichten

Das Vorgehen ist in der Literatur in vielen Werken beschrieben wird aber sicher von vielen Imkern individualisiert gelebt. Das ist auch bei mir der Fall, da ich unterschiedliche Rähmchenmaße im Honigraum ( Zander 2/3) und im Brutraum ( Zander oder Zander 1,5 ) verwende. 

Wie ich es mache: Einfüttern

In diesem Jahr wurden die Völker von mir Mitte Juli abgeerntet. Um zu vermeiden, dass die Völker hungern , erhalten die Wirtschaftsvölker direkt nach dem Abschleudern Apifonda. Die Fütterung erfolgt jeweils von oben über einem Absperrgitter in einer aufgesetzten Zarge. Das erleichtert es, bei Bedarf das Futter von den Völkern einfach abzuheben, um im Brutraum zu arbeiten. Die Völker nehmen dieses Futter besonders im feuchten Sommer 2021 sehr gut auf. Ich erlebe am Stand keine Räuberei. Damit haben die Völker genügend Reserven für die im August folgenden Arbeiten. Die abschließende Einfütterung auf Überwinterungsgewicht erfolgt dann mit Flüssigfutter im September. Dann nehmen die Bienen festes Futter nur noch schlecht auf, es härtet aus und die Bienen verlieren das Interesse daran.

Wie ich es mache: Varroalast reduzieren bei Wirtschaftsvölkern.

Tag X-2  (29.7.2021):  Zwei Tage vor der Behandlung beginnt die Diagnose!

Die Varroabehandlung beginnt mit der Beurteilung des Befallsgrades. Hierzu werden die Windeln in die Böden aller Völker am Stand - 2 Wirtschaftsvölker, 2 Ableger - eingeschoben.

 

Tag X (31.7.2021) - Die Behandlung beginnt.

Zwei Tage später - in der Literatur werden 3-10 Tage empfohlen-  zähle ich die gefallen Varroen. Erwartungsgemäß finde ich bei den Ablegern nur mit großer Mühe genau eine. Aber auch in den Wirtschaftsvölkern ist das Bild erfreulich positiv - ich finde nur vereinzelte Varroen. Weit unter der angegebenen Schadensgrenze von 10 gefallenen Varroen pro Tag, die die Notwendigkeit einer umgehenden Behandlung anzeigt.  

Da ich jedoch für beide Wirtschaftsvölker junge Königinnen haben möchte und mich das erfreuliche Ergebnis, dass ich aus den vergangenen Jahren bereits kenne, wenig überrascht (im Oktober sieht es dann meist viel schlechter aus), steht mein Entschluss die Wirtschaftsvölker zu behandeln fest. Für die Ableger sehe ich keine Notwendigkeit jetzt etwas zu unternehmen.

 

Beide Wirtschaftsvölker werden nach der Methode "Teilen und Behandeln" behandelt.

Das Prinzip der Methode ist, dass das Volk in zwei Teile aufgespaltet wird:

  • Einen Flugling mit Königin, Flugbienen und neuen Waben und
  • Einen Brutling mit den Ammenbienen und den Brutwaben.

Der brutfreie Flugling kann mit Oxalsäure im Sprühverfahren behandelt werden. Der weisellose Brutling zieht wie in einem überdimensionierten Ableger eine Königin heran. Wenn die alte Brut ausgelaufen ist (also nach 21 -24 Tagen) und die neue Königin noch keine neue Brut angelegt hat, kann ebenfalls mit Oxalsäure behandelt werden. Wer sich das alles im Detail in Filmen ansehen will, wird zum Beispiel hier fündig: https://www.immelieb.de/imker-praxis/teilen-und-behandeln-serie/

Tag X+3 (3.08.2021): 3 Tage nach Teilung erfolgt die Sprühbehandlung des Fluglings.

Heute steht die Behandlung der Fluglinge gegen die Varroa an. Das geschieht entweder mit Milchsäure (15%) oder Oxalsäure (3 %). Wegen der angeblich höheren Wirksamkeit (90 Prozent vs. 70 Prozent) habe ich mich für die Behandlung mit Oxalsäure entschieden. Diese wird durch Verdünnung aus 5,7 prozentiger Oxalsäure hergestellt. Ansonsten gestaltet sich die Behandlung analog zur Behandlung von Ablegern mit Milchsäure. 2-3 Sprühstöße je Wabenseite - es ist genug wenn ein dünner Sprühnebel auf den Bienen ist.

Tag X+13 (13.08.2021) : Kontrolle des Fluglings

Ich möchte mich überzeugen, dass die Königinnen in den Fluglingen nach der Behandlung mit der Oxalsäure wieder schöne Brutflächen angelegt haben.
Schön, dass alles in Ordnung ist! 
In den Brutlingen steht das Schlüpfen der Königin an. Die bleiben heute unangetastet.

Tag X+21 (21.08.2021) : Sprühbehandlung des Brutlings

Nach 21 Tagen ist mit Ausnahme von ein paar Drohnen die Brut im Flugling vollständig ausgelaufen. Gleichzeitig sollte die Königin inzwischen geschlüpft aber noch nicht in Eilage gegangen sein. Keine verdeckelten Zellen - schlecht für die Varroen, denen es heute mit der Oxalsäure an den Kragen geht! Damit ist die Varroabehandlung sowohl im Flugling als auch im Brutling abgeschlossen. In den nächsten Schritten folgen noch die Suche nach der hoffentlich vorhandenen neuen Königin und in ein paar Wochen die Wiedervereinigung mit dem Flugling.